Wer Regenwasser sammeln und für die Gartenbewässerung nutzen möchte, steht vor einer wichtigen Frage: Welche Zisternengröße ist die richtige? Ein zu kleiner Tank ist bei längeren Trockenperioden schnell leer, während ein überdimensionierter Speicher möglicherweise nicht regelmäßig vollständig gefüllt wird. Deshalb sollte das Speichervolumen zum Wasserbedarf, zur verfügbaren Sammelfläche und zu den örtlichen Niederschlagsverhältnissen passen.
Ob Sie einen kleinen Garten bewässern, ein Gewächshaus versorgen oder größere Grünflächen pflegen möchten – die passende Zisterne hilft dabei, Regenwasser sinnvoll zu nutzen und den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren. Neben klassischen unterirdischen Tanks stehen auch oberirdische Regenwassertanks und flexible Kissentanks zur Verfügung, die ohne eine herkömmliche Tankbaugrube aufgestellt werden können.
In diesem Ratgeber erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Wasserbedarf ermitteln, den möglichen Regenwasserertrag berechnen und das geeignete Speichervolumen für Ihre Anforderungen auswählen.
Schritt 1: Den tatsächlichen Wasserbedarf ermitteln
Bevor Sie eine Zisterne kaufen, sollten Sie überlegen, wofür Sie das gespeicherte Regenwasser verwenden möchten. Der Bedarf unterscheidet sich erheblich, je nachdem, ob Sie lediglich einige Pflanzgefäße bewässern oder eine große Gartenfläche versorgen.
Typische Anwendungsbereiche sind:
- Bewässerung von Rasenflächen und Blumenbeeten
- Versorgung von Gemüsebeeten und Gewächshäusern
- Bewässerung von Hecken, Sträuchern und Bäumen
- Pflege größerer Gartenanlagen
- Wasserversorgung für Gärtnereien und Gartenbaubetriebe
Notieren Sie, welche Flächen regelmäßig bewässert werden müssen und wie hoch der Wasserverbrauch ungefähr ist. Wenn Sie bereits einen Wasserzähler oder Aufzeichnungen über Ihren bisherigen Verbrauch haben, können diese Daten bei der Einschätzung helfen.
Berücksichtigen Sie auch saisonale Unterschiede. Im Sommer benötigen viele Pflanzen mehr Wasser als im Frühjahr oder Herbst. Besonders bei hohen Temperaturen kann der Bedarf deutlich steigen.
Schritt 2: Die benötigte Wassermenge pro Tag oder Woche berechnen
Nachdem Sie Ihre Anwendungsbereiche festgelegt haben, können Sie den ungefähren Wasserbedarf berechnen. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Wasser täglich benötigt wird, sondern auch, wie lange der Vorrat ohne ausreichenden Regen reichen soll.
Eine einfache Formel lautet:
Täglicher Wasserbedarf × gewünschte Versorgungstage = benötigter Wasservorrat
Angenommen, Ihr Garten benötigt durchschnittlich 150 Liter Wasser pro Tag. Sie möchten einen Vorrat für zehn Tage haben, in denen es kaum regnet.
150 Liter × 10 Tage = 1.500 Liter.
In diesem Beispiel wären rechnerisch 1.500 Liter nutzbares Wasser erforderlich. Für die tatsächliche Tankauswahl sollten Sie zusätzlich berücksichtigen, dass nicht immer das gesamte gespeicherte Wasser entnommen werden kann und der Bedarf je nach Wetter schwankt.
Für größere Gärten oder Gewächshäuser kann der tägliche Verbrauch wesentlich höher liegen. Ermitteln Sie deshalb möglichst realistische Werte, anstatt sich ausschließlich an allgemeinen Richtwerten zu orientieren.
Schritt 3: Die verfügbare Regenwasser-Sammelfläche bestimmen
Die passende Zisternengröße hängt nicht allein vom Wasserbedarf ab. Sie müssen auch wissen, wie viel Regenwasser auf Ihrem Grundstück gesammelt werden kann.
Als Sammelflächen kommen beispielsweise infrage:
- Dächer von Wohnhäusern
- Dächer von Garagen und Gartenhäusern
- geeignete Gewächshausdächer
- Dächer von Lagergebäuden und Betriebsräumen
Die Größe der Sammelfläche beeinflusst, wie viel Regenwasser bei einem Niederschlagsereignis in den Tank geleitet werden kann. Eine große Dachfläche kann mehr Wasser liefern als ein kleines Gartenhausdach, sofern die Entwässerung entsprechend eingerichtet ist.
Messen oder ermitteln Sie die geeignete Dachfläche in Quadratmetern. Prüfen Sie außerdem, ob Regenrinnen, Fallrohre und Anschlussmöglichkeiten vorhanden sind oder nachgerüstet werden müssen.
Schritt 4: Den möglichen Regenwasserertrag berechnen
Mit der Sammelfläche und dem örtlichen Niederschlag können Sie abschätzen, wie viel Wasser Ihnen grundsätzlich zur Verfügung steht.
Für eine erste Berechnung verwenden Sie folgende Formel:
Sammelfläche in Quadratmetern × Niederschlag in Metern × Abflussbeiwert = geschätzter Regenwasserertrag in Kubikmetern
Ein Beispiel:
- Sammelfläche: 100 Quadratmeter
- angenommener Jahresniederschlag: 600 Millimeter beziehungsweise 0,6 Meter
- angenommener Abflussbeiwert: 0,8
Die Rechnung lautet:
100 × 0,6 × 0,8 = 48 Kubikmeter.
Das entspricht rechnerisch 48.000 Litern Regenwasser pro Jahr.
Der Abflussbeiwert berücksichtigt vereinfacht, dass nicht der gesamte Niederschlag tatsächlich im Tank ankommt. In der Praxis können Verluste durch die Dachbeschaffenheit, Verschmutzungen, Filter und die Art der Ableitung entstehen.
Wichtig ist außerdem die zeitliche Verteilung des Niederschlags. Selbst wenn der Jahresertrag hoch ist, kann eine lange Trockenperiode dazu führen, dass der Tank zwischenzeitlich leer wird. Deshalb sollten Sie nicht nur den Jahresertrag, sondern auch den saisonalen Wasserbedarf berücksichtigen. Um eine passende Speicherlösung auszuwählen, sollte man zunächst klären, welche Zisternengröße brauche ich, und den Wasserbedarf mit dem möglichen Regenwasserertrag vergleichen.
Schritt 5: Die passende Tankgröße anhand des Bedarfs auswählen
Wenn Sie Ihren Wasserbedarf und den möglichen Regenwasserertrag kennen, können Sie eine geeignete Speicherkapazität auswählen. Die folgenden Größen bieten eine erste Orientierung.
3.000 Liter – für kleinere Anwendungen
Ein Tank mit 3.000 Litern kann für kleinere Gärten, einzelne Beete oder ein kleines Gewächshaus geeignet sein. Bei geringem Wasserverbrauch lässt sich damit ein praktischer Vorrat anlegen. Während längerer Trockenperioden kann die Kapazität jedoch schnell ausgeschöpft sein.
5.000 Liter – für viele private Gärten
Eine Zisterne mit 5.000 Litern bietet mehr Reserve für die Gartenbewässerung. Sie kann beispielsweise für größere Beete, Gewächshäuser oder die Versorgung mehrerer Gartenbereiche interessant sein.
10.000 Liter – für erhöhten Wasserbedarf
Ein Speichervolumen von 10.000 Litern kann sinnvoll sein, wenn Sie größere Grünflächen bewässern oder mehr Wasser für trockene Perioden zurückhalten möchten. Voraussetzung ist, dass ausreichend Regenwasser gesammelt werden kann.
20.000 Liter – für große Gartenflächen
Ein Tank mit 20.000 Litern kommt für umfangreiche Gärten, größere Gewächshäuser oder mehrere Bewässerungsbereiche infrage. Für eine regelmäßige Befüllung sind eine geeignete Sammelfläche und ausreichende Niederschläge wichtig.
50.000 Liter – für sehr großen Bedarf
Bei Gärtnereien, Gartenbaubetrieben und großen Grünflächen kann ein Speichervolumen von 50.000 Litern interessant sein. Eine solche Anlage erfordert eine sorgfältige Planung des Standorts, der Befüllung und der Wasserentnahme.
Diese Beispiele ersetzen keine individuelle Berechnung. Die passende Größe ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Wasserbedarf, Regenwasserertrag und gewünschter Versorgungssicherheit.
Schritt 6: Den gewünschten Vorrat für Trockenperioden festlegen
Ein wichtiger Faktor ist die Anzahl der Tage, die Sie ohne nennenswerten Niederschlag überbrücken möchten. Je länger dieser Zeitraum sein soll, desto größer muss der nutzbare Wasservorrat sein.
Für eine erste Einschätzung können Sie beispielsweise einen Vorrat für sieben, zehn oder vierzehn Tage berechnen. Multiplizieren Sie dafür Ihren geschätzten Tagesbedarf mit der gewünschten Anzahl der Versorgungstage.
Ein Beispiel mit 250 Litern täglichem Wasserbedarf:
- Für sieben Tage: 1.750 Liter
- Für zehn Tage: 2.500 Liter
- Für vierzehn Tage: 3.500 Liter
Diese Zahlen beschreiben den rechnerischen Bedarf für den jeweiligen Zeitraum. Bei der Auswahl des Tanks sollten Sie zusätzlich Reserven für schwankenden Verbrauch, nicht vollständig nutzbares Volumen und längere Trockenperioden einplanen.
Wenn Sie eine zuverlässige Versorgung benötigen, kann es sinnvoll sein, den Bedarf über mehrere typische Wetterperioden hinweg zu betrachten. Ein sehr großer Tank ist allerdings nur dann besonders nützlich, wenn genügend Regenwasser zur Befüllung verfügbar ist.
Schritt 7: Entscheiden, ob eine oberirdische oder unterirdische Zisterne besser passt
Neben dem Speichervolumen spielt die Bauart eine wichtige Rolle. Grundsätzlich können Sie zwischen oberirdischen Tanks und unterirdischen Zisternen wählen.
Oberirdische Regenwasserzisterne
Ein oberirdischer Tank wird auf einer geeigneten Stellfläche aufgestellt. Dafür ist keine klassische Tankbaugrube erforderlich. Das kann die Installation vereinfachen, insbesondere wenn Sie die Regenwassernutzung nachträglich ergänzen möchten.
Flexible Tanks aus PVC-beschichtetem Gewebe, die auch als Kissentanks oder Tankkissen bezeichnet werden, sind eine mögliche Variante. Sie sind in verschiedenen Größen erhältlich und können je nach Modell im entleerten Zustand platzsparend gelagert werden.
Vor dem Kauf müssen Sie prüfen, ob das jeweilige Modell für die vorgesehene Wassermenge und den Standort geeignet ist.
Unterirdische Zisterne
Ein Erdtank wird unter der Geländeoberfläche installiert. Er ist nach dem Einbau weitgehend unsichtbar und beansprucht nur wenig sichtbaren Platz. Dafür sind normalerweise Erdarbeiten und eine geeignete Baugrube notwendig.
Welche Lösung besser geeignet ist, hängt von Ihrem Grundstück, dem Platzangebot, dem gewünschten Installationsaufwand und Ihrem Budget ab.
Schritt 8: Den verfügbaren Platz und den Untergrund prüfen
Eine Zisterne muss nicht nur die richtige Kapazität haben, sondern auch sicher aufgestellt oder eingebaut werden können. Vor allem bei oberirdischen Tanks sollten Sie die Stellfläche sorgfältig prüfen.
Achten Sie auf folgende Punkte:
- Ist ausreichend Platz für die Abmessungen des Tanks vorhanden?
- Ist der Untergrund eben und tragfähig?
- Kann das Wasser sicher zum Tank geleitet werden?
- Sind Anschlüsse und Entnahmestellen gut erreichbar?
- Ist ein geeigneter Überlauf möglich?
- Bleibt ausreichend Platz für Wartung und Reinigung?
Das Gewicht des Wassers ist dabei besonders wichtig. Ein gefüllter Tank mit 5.000 Litern enthält ungefähr fünf Tonnen Wasser, ein Tank mit 10.000 Litern rund zehn Tonnen. Das Eigengewicht des Behälters kommt hinzu.
Der Untergrund muss für diese Belastung geeignet sein. Befolgen Sie die Herstellerangaben zur Aufstellung und lassen Sie die Tragfähigkeit bei Unsicherheit fachkundig prüfen.
Schritt 9: Anschlüsse, Filter und Wasserentnahme mitplanen
Die richtige Zisternengröße allein garantiert noch keine zuverlässige Regenwassernutzung. Auch die technischen Komponenten müssen aufeinander abgestimmt sein.
Für die Befüllung kann ein Regensammler eingesetzt werden, der Wasser aus einer geeigneten Dachrinne in den Tank leitet. Je nach System sind zusätzliche Filter erforderlich, um grobe Verunreinigungen wie Blätter zu reduzieren.
Für die Wasserentnahme stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung:
- manuelle Entnahme mit einer Gießkanne
- Wasserentnahme über einen geeigneten Schlauch
- Pumpensysteme für längere Leitungen
- Tropfbewässerung mit passender Druckversorgung
Wenn eine Pumpe oder ein Bewässerungssystem eingesetzt wird, sollten Fördermenge, Druckbedarf und Filterung zum jeweiligen System passen.
Planen Sie außerdem einen geeigneten Überlauf ein, damit überschüssiges Wasser bei einem vollen Tank sicher abgeleitet werden kann.
Schritt 10: Anschaffungskosten und laufende Ausgaben vergleichen
Die Kosten einer Zisterne hängen von der Größe, der Bauart, dem Material und der benötigten Ausstattung ab. Ein größerer Tank kostet häufig mehr als ein kleineres Modell, aber auch der Installationsaufwand kann einen erheblichen Unterschied machen.
Berücksichtigen Sie bei Ihrem Vergleich:
- Anschaffungspreis des Tanks
- Lieferung und Transport
- Vorbereitung der Stellfläche oder Erdarbeiten
- Filter und Regensammler
- Anschlussleitungen und Schläuche
- Pumpen und Bewässerungstechnik
- Montage und Installation
- Wartung und gegebenenfalls Stromkosten
Bei einer oberirdischen Zisterne können die Kosten für eine klassische Tankbaugrube entfallen. Trotzdem müssen die Anforderungen an den Untergrund und die sichere Wasserableitung erfüllt werden.
Vergleichen Sie deshalb nicht nur die Behälterpreise, sondern die gesamten Kosten der betriebsbereiten Anlage.
Häufige Fehler bei der Wahl der Zisternengröße vermeiden
Bei der Planung einer Regenwasserzisterne werden einige wichtige Faktoren leicht übersehen.
Nur den jährlichen Regenwasserertrag betrachten: Ein hoher Jahresertrag bedeutet nicht, dass während jeder Trockenperiode ausreichend Wasser verfügbar ist.
Den Wasserbedarf zu niedrig einschätzen: Besonders im Sommer kann der Verbrauch höher sein als erwartet.
Einen zu großen Tank ohne ausreichende Sammelfläche wählen: Wenn nur wenig Regenwasser aufgefangen werden kann, bleibt ein großer Speicher möglicherweise häufig ungenutzt.
Den Standort nicht ausreichend prüfen: Der Tank benötigt ausreichend Platz und einen geeigneten, tragfähigen Untergrund.
Zusatzkosten vergessen: Filter, Anschlüsse, Pumpen und Installation können die Gesamtkosten erhöhen.
Keine Überlaufmöglichkeit vorsehen: Überschüssiges Wasser muss sicher abgeleitet werden können.
Wer diese Punkte frühzeitig berücksichtigt, kann die Zisternengröße besser auf den tatsächlichen Bedarf abstimmen.
Fazit: Die richtige Zisternengröße Schritt für Schritt bestimmen
Welche Zisternengröße Sie benötigen, hängt vor allem davon ab, wie viel Wasser Sie verbrauchen, wie viel Regenwasser gesammelt werden kann und wie lange der Vorrat reichen soll. Kleine Tanks mit 3.000 oder 5.000 Litern können für überschaubare Gartenbereiche ausreichen. Für größere Flächen oder einen höheren Wasserbedarf können 10.000, 20.000 oder sogar 50.000 Liter sinnvoll sein.
Ermitteln Sie zunächst den täglichen Wasserbedarf, prüfen Sie die vorhandenen Sammelflächen und berechnen Sie den möglichen Regenwasserertrag. Legen Sie anschließend fest, welchen Vorrat Sie für trockene Perioden benötigen, und vergleichen Sie geeignete Tankgrößen.
Auch die Bauart sollte zu Ihrem Grundstück passen. Oberirdische Regenwassertanks und flexible Kissentanks können eine praktische Alternative sein, wenn Sie ohne umfangreiche Erdarbeiten Regenwasser speichern möchten.
Mit einer sorgfältigen Planung finden Sie eine Zisterne, die Ihren Wasserbedarf sinnvoll abdeckt und die Regenwassernutzung in Ihrem Garten oder Betrieb langfristig unterstützt.
